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Wie ich mit 100 Euro plötzlich Aktionär wurde

Es gibt Nachrichten, bei denen weiß man sofort, das wird teuer. Zum Beispiel, wenn ein Freund schreibt, „Du musst da unbedingt mitmachen.“ In meinem Fall ging es nicht um ein Junggesellenabschiedswochenende oder einen Grill mit WLAN, sondern um eine Trading Plattform. Das Angebot klang erstaunlich entspannt. Konto eröffnen, 100 Euro einzahlen, Screenshot schicken, 100 Euro von ihm zurückbekommen. Einfach mal ausprobieren.

Ich dachte mir, gut, schlimmer als irgendein Abo, das man nie kündigt, kann es nicht sein. Also klickte ich den Link, schickte den Screenshot und tatsächlich, fünf Minuten später waren die 100 Euro wieder auf meinem PayPal Konto. Das war der Moment, in dem ich realisierte, jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Ich hatte ein Trading Konto -> Mit echtem Geld. Und ungefähr so viel Börsenwissen wie ein Toastbrot.

Hollywood hat gelogen

Natürlich kenne ich Filme wie Wall Street. Da wird geschrien, telefoniert, spekuliert, Zucker, Öl, Rohstoffe, alle sehen aus wie Millionäre oder kurz davor, alles zu verlieren. In der Realität saß ich in Jogginghose am Tisch und überlegte, wo man eigentlich auf „reich werden“ klickt. Spoiler, es gibt keinen solchen Button.

Wenn man keine Ahnung hat, fragt man eine KI

Weil ich nicht völlig blind herumklicken wollte, fragte ich eine KI um Rat. Die reagierte nicht mit „Kaufen, sofort“, sondern mit Gegenfragen. Bist du sicher, was willst du erreichen, Risiko oder Sicherheit, nur ausprobieren oder Vollgas. Ich schrieb zurück, wir bleiben locker, mehr als 100 Dollar investiere ich sowieso nicht, ich bin hier nicht Jordan Belfort, ich bin eher Typ vorsichtiger Neuling mit Respekt. Also fing ich an, ein bisschen hier, ein bisschen da. Ein Unternehmen im Bereich vegetarische Lebensmittel, weil ich dachte, Essen geht immer. Ein bisschen Technik, weil Zukunft. Ein paar bekannte Namen, weil sie vertraut klangen. Dann schickte ich der KI mein Depot. Die Antwort war trocken, man sieht, dass du Anfänger bist. Danke auch. Aber sie hatte recht.

ETF, WTF und ein bisschen Nvidia

Die KI schlug vor, etwas Stabileres dazuzunehmen, zum Beispiel einen ETF. Ich musste erst einmal googeln, was ein ETF überhaupt ist. Klang erst langweilig, stellte sich dann aber als vernünftig heraus. Also kam ein ETF ins Depot. Und weil überall von künstlicher Intelligenz gesprochen wird, durfte Nvidia auch nicht fehlen. Wenn schon KI mich berät, kann ich ja wenigstens in KI investieren.

Und dann passierte das Dramatischste von allem

Gar nichts. Ich starrte auf mein Depot. Keine Explosion. Kein Crash. Kein Adrenalin. Dann fiel es mir ein, es war Freitagabend. Die Börse öffnet erst am Montag. Ich war also offiziell Investor, aber nur von Montag bis Freitag zu Bürozeiten. In diesem Moment musste ich lachen. Nicht wegen Gewinnen oder Verlusten, sondern weil ich gemerkt habe, wie schnell man emotional wird, obwohl es nur 100 Dollar sind. Es geht nicht nur um Geld. Es geht um Neugier, um dieses leichte Kribbeln, wenn man etwas Neues wagt, und um die Erkenntnis, dass man mit 51 noch Dinge ausprobieren kann, die man früher nie angefasst hätte.

Warum ich das hier aufschreibe

Weil ich kein Börsenguru bin. Ich bin Anfänger. Ich lerne, ich probiere aus, ich zweifle, ich google Begriffe, die 20 Jährige vermutlich im Schlaf erklären können. Dieses Blog ist kein Finanzratgeber. Es ist mein persönliches Experiment. Mal sehen, ob ich Glück habe, mal sehen, ob ich Fehler mache, wahrscheinlich beides. Und selbst wenn am Ende kein finanzieller Gewinn steht, dann habe ich zumindest etwas gewonnen, Erfahrung, Mut und eine gute Geschichte für mein Lebensportfolio.

Willkommen bei planlos investiert.

Der Beginn

Ich hatte 100 Dollar. Kein großes Investment, kein ausgefeilter Finanzplan, sondern eher ein Experiment. Ein kleiner Betrag, bei dem man nachts noch ruhig schlafen kann. Die wichtigste Regel stand sofort fest, es wird kein Geld nachgeschossen. Diese 100 Dollar sind Unterhaltung, Lernerfahrung und vielleicht ein kleines Abenteuer in einem.

Bevor ich jedoch wild auf Kaufen klickte, tat ich etwas, das vermutlich sehr nach unserer Zeit klingt. Ich fragte eine künstliche Intelligenz um Rat. Kein dubioses Börsenforum, kein selbst ernannter Guru mit Sonnenbrille und Sportwagen im Profilbild, sondern eine nüchterne, sachliche KI, die weder Gier noch Panik kennt. Zumindest theoretisch.

Die Antwort war überraschend vernünftig. Nicht alles auf eine Idee setzen. Nicht das komplette Geld in einen Hype stecken. Stattdessen aufteilen, mischen, streuen. Ein bisschen Stabilität, ein bisschen Zukunft, ein bisschen Spekulation. Eine Mini Version dessen, was große Fonds mit Milliarden tun, nur eben mit 100 Dollar.

Der erste Vorschlag war bodenständig. Unternehmen aus Bereichen, die es auch morgen noch geben wird. Lebensmittel, Konsumgüter, Dinge, die Menschen unabhängig von Schlagzeilen kaufen. Menschen essen. Menschen trinken. Menschen greifen im Supermarkt zu vertrauten Marken. Das klang beruhigend. Ein kleiner Teil meines Geldes durfte also in diese Kategorie fließen, nicht spektakulär, aber solide.

Dann kam der Teil, der etwas mehr Fantasie mitbrachte. Technologie, künstliche Intelligenz, Halbleiter, Zukunftsthemen. Firmen, die an der digitalen Infrastruktur der kommenden Jahre bauen. Nicht alles hinein, aber genug, um sich ein kleines bisschen wie ein Mitgestalter der Zukunft zu fühlen. Die KI erklärte nüchtern, dass Wachstum und Schwankung oft zusammengehören. Übersetzt heißt das, es kann auch mal ordentlich ruckeln.

Und schließlich wurde mir geraten, ruhig einen kleinen spekulativen Anteil zu wählen. Eine Aktie, die stärker schwankt, die nicht als Inbegriff von Stabilität gilt, sondern eher als Wundertüte. Nicht aus Leichtsinn, sondern um das Ganze spannend zu halten. Wichtig war nur, dass dieser Teil klein bleibt und das große Ganze nicht gefährdet.

Der vielleicht wichtigste Rat der KI war jedoch nicht, was ich kaufen sollte, sondern wie ich damit umgehen sollte. Keine Panik bei kleinen Verlusten. Keine Selbstüberschätzung bei kleinen Gewinnen. Und vor allem keine Nachkäufe aus gekränktem Stolz. Die 100 Dollar bleiben 100 Dollar. Wenn sie wachsen, freue ich mich. Wenn sie schrumpfen, habe ich Erfahrung gesammelt.

Ich fand es fast ironisch, dass ausgerechnet eine Maschine mir zu Gelassenheit riet. Während ich bei jedem grünen Prozent ein kleines Erfolgserlebnis verspürte und bei jeder roten Zahl innerlich kurz zusammenzuckte, blieb die KI stoisch bei ihrer Linie. Streuen. Geduldig bleiben. Nicht übertreiben.

So entstand aus 100 Dollar ein kleines, bunt gemischtes Mini Portfolio. Ein bisschen Alltag, ein bisschen Zukunft, ein bisschen Risiko. Keine Revolution an den Finanzmärkten, kein Durchbruch zur finanziellen Freiheit, sondern eher ein persönlicher Feldversuch.

Und genau das war der Reiz daran. Zu beobachten, wie sich Märkte bewegen. Zu merken, wie schnell Emotionen entstehen, obwohl es objektiv nur um einen überschaubaren Betrag geht. Zu lernen, dass Investieren weniger mit hellseherischen Fähigkeiten zu tun hat, sondern mehr mit Disziplin und Geduld.

Am Ende habe ich nicht nur ein paar Anteile gekauft. Ich habe erlebt, wie sich 100 Dollar anfühlen können, wenn sie arbeiten. Und ich habe gelernt, dass eine künstliche Intelligenz manchmal der ruhigere, vernünftigere Berater ist als das eigene Bauchgefühl.

Ob daraus ein großer Erfolg wird, weiß niemand. Aber als Experiment, als kleine Reise durch Stabilität, Technologie und Spekulation, war es jeden einzelnen Dollar wert.

Was wurde zum Start getradet?

Am Ende sind aus 100 Dollar keine wilde Einzelwette und auch kein verzweifelter Alles oder Nichts Trade geworden. Stattdessen habe ich mir mein eigenes kleines Mischimperium gebaut. Neun Positionen, echte Aktien, echte Anteile, nur eben in Miniaturformat. Keine ganzen Stücke, sondern Bruchteile. Man könnte sagen, ich bin kein Großaktionär, eher ein liebevoller Mikro Miteigentümer.

Fangen wir an:

Coca Cola, Kürzel KO. Weltweit bekannt, Zuckerwasser mit Milliardenumsatz. Wer Coca Cola kauft, investiert nicht in ein Getränk, sondern in ein globales Markenmonster. Menschen trinken das Zeug in guten Zeiten und in schlechten Zeiten. Das ist so etwas wie der seriöse Onkel im Depot. Nicht aufregend, aber zuverlässig.

Dann Nvidia. Hier wird es futuristisch. Nvidia baut Chips, die Gaming, Rechenzentren und künstliche Intelligenz antreiben. Wenn irgendwo eine KI denkt, stehen die Chancen gut, dass Nvidia Hardware im Spiel ist. Mit diesem Anteil habe ich also offiziell ein Mini Stück der digitalen Zukunft gekauft. Wahrscheinlich reicht mein Anteil gerade für einen halben Schraubenkopf in einem Rechenzentrum, aber hey, es zählt.

ASML ist so etwas wie der geheime Held der Chipindustrie. Das niederländische Unternehmen baut Maschinen, mit denen andere Unternehmen überhaupt erst Mikrochips herstellen können. Ohne ASML keine modernen Prozessoren. Das ist Hightech auf absolutem Spitzenniveau. Mein Anteil daran ist winzig, aber rein theoretisch bin ich jetzt Teil einer Firma, die die Grundlage für Smartphones, Server und KI Systeme legt.

UniCredit bringt das Ganze zurück auf den Boden der Tatsachen. Eine große europäische Bank. Kredite, Zinsen, Finanzdienstleistungen. Hier geht es weniger um Zukunftsvisionen und mehr um klassische Wirtschaft. Mit dieser Position habe ich mir also einen Hauch Bankenwelt ins Depot geholt. Ein bisschen Old School darf sein.

VGWD.DE ist kein einzelnes Unternehmen, sondern ein ETF. Das bedeutet, ich habe mir ein ganzes Paket aus vielen internationalen Firmen ins Depot gelegt. Statt nur eine Aktie zu besitzen, besitze ich mit diesem ETF winzige Anteile an Hunderten Unternehmen weltweit. Das ist Diversifikation in Reinform, nur eben im Mini Format.

Sweetgreen, Kürzel SG, steht für gesunde Fast Casual Restaurants. Salate, Bowls, bewusste Ernährung. Ein Trendunternehmen, das versucht, aus Salat ein Geschäftsmodell zu machen. Das ist der Lifestyle Anteil im Depot, gesund, modern, aber auch schwankungsfreudig.

Beyond Meat, Kürzel BYND, produziert pflanzliche Fleischalternativen. Vegane Burger, pflanzliche Würstchen, alles ohne Kuh. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit extreme Höhen und Tiefen. Mit dieser Position habe ich mir also eine ordentliche Portion Volatilität eingekauft. Mutig oder verrückt, das entscheidet der Chart.

Clover Health, Kürzel CLOV, ist ein Gesundheitsunternehmen aus den USA. Es kombiniert Krankenversicherung mit Technologieansatz. Das ist sozusagen die Wette darauf, dass Gesundheitswesen und Software zusammen eine Zukunft haben. Gleichzeitig ist es eher ein kleinerer, schwankungsanfälliger Wert.

Und schließlich SMHI, ebenfalls aus dem Technologiebereich. Noch ein Baustein im Chip Umfeld. Damit habe ich den Tech Anteil im Depot nicht nur angekratzt, sondern ordentlich gewürzt.

Was ist daraus geworden? Ein erstaunlich breit gestreutes Mini Portfolio aus Konsum, Technologie, Banken, Gesundheit, Trendgastronomie, veganer Ernährung und einem globalen ETF. Für 100 Dollar bin ich damit offiziell Miteigentümer von Weltmarken, Chip Giganten, Banken, Salatketten und pflanzlichen Burgerträumen geworden.

Das Beste daran ist, es sind echte Anteile. Kein Spielmodus, keine Simulation. Jede Position repräsentiert einen realen, wenn auch winzigen Anteil an einem börsennotierten Unternehmen oder Fonds. Dank Bruchstück Käufen konnte ich selbst teure Aktien ins Depot nehmen, obwohl mein Gesamtbudget überschaubar war.

Kurz gesagt, aus 100 Dollar wurde kein Imperium, aber ein erstaunlich vielfältiger Mikrokonzern. Ich bin vielleicht kein Großinvestor, aber ich habe ein Depot, das klingt, als hätte ich einen globalen Mischfonds gegründet. Und ganz ehrlich, für 100 Dollar ist das ziemlich beeindruckend.